Geisterfahrer nach langem Auslandsaufenthalt

Ein Mann kam aus einem Thailand Urlaub von sieben Wochen zurück. Dort gilt – anders als bei uns. – der Linksverkehr. Es kam, wie es kommen musste. Er fuhr falsch auf Anna Landstraße und befuhr 2-3 km die linke Seite. In einer Kurve kollidierte er mit zwei entgegenkommenden (in der richtigen Fahrtrichtung fahrenden) Fahrzeugen, zwei Personen wurden verletzt.

Eine fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung wurde verneint, da es an einer rücksichtslosen Fahrweise fehlte. Hierfür wäre erforderlich gewesen, dass der Fahrer sich bewusst aus eigensüchtigen Gründen über seine Pflichten hinwegsetzt oder aus Gleichgültigkeit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern gehandelt hat. 

Dies konnte das Gericht nicht erkennen, es blieb eine fahrlässige Körperverletzung in zwei fällen übrig.

Der Mann hatte einen langen Nachtflug hinter sich, dann einige Stunden geschlafen und fühlte sich fahrtüchtig. Lediglich aus Fahrlässigkeit beachtete er nicht, dass in Deutschland Rechtsverkehr gilt.

OLG Zweibrücken, 1 OLG 2 Ss 34/22 

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Unfall mit einem Radfahrer auf dem Zebrastreifen

Überquert ein Radfahrer einen Zebrastreifen fahrend statt schiebend und kommt es zu einer Kollision mit einem PKW, kann eine alleinige Haftung des Radfahrers anzunehmen sein. Bei einem groben Verkehrsverstoß tritt dann sogar die Betriebsgefahr des PKW vollständig zurück.

Einen Zebrastreifen müsste der Radfahrer schiebend überqueren, um nach § 26 I StVO Vorrang vorm fließenden Verkehr zu haben.

LG Hamburg, 306 0 40/26

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Beschlagnahme eines veränderten Fahrzeugs 

Hinweise auf Veränderungen der Motorsteuerung, eine über ein Tablet schaltbare Änderung der Motorleistung und Veränderungen der lichttechnischen Einrichtungen sowie ein auffälliges dröhnendes und knallendes Betriebsgeräusch reichen aus, um konkrete tatsächliche Anhaltspunkte dafür zu liefern, dass durch technische Veränderungen jedenfalls das Geräuschverhalten des Fahrzeugs gegenüber dem genehmigten Zustand verschlechtert wurde und deshalb die Betriebserlaubnis nach § 19 StVZO erloschen ist. Ob darüber hinaus eine Verschlechterung des Abgasverhaltens oder eine zu erwartende Gefährdung von Verkehrsteilnehmern vorliegt, bedarf weiterer technischer Aufklärung.  Der Verdacht beruht insbesondere auf den konkreten Hinweisen auf eine veränderte Motorsteuerung in Verbindung mit dem berichteten Geräuschverhalten. Eine abschließende Feststellung der technischen Veränderungen und ihrer Auswirkungen ist in diesem Verfahrensstadium nicht erforderlich.

Lediglich ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass auch ein strafprozessualer Anfangsverdacht nicht fern liegt und zu prüfen ist. Infrage kommen beispielsweise die Verschleierung der Softwareänderungen beweiserhebliche Prüfdaten, etwa der sogenannte Calibration Verification Number. Insoweit erscheinen eine Fälschung beweiserheblicher Daten (§ 269 StGB) und bei hierdurch bewirkter unzutreffender Bescheinigung der Vorschriftsmäßigkeit des Fahrzeugs, eine mittelbare Falschbeurkundung (§ 271 StGB) möglich.

Ah Reutlingen, 5 Gs 140/26

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Unfallflucht und Schock

Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt, muss mit Regressansprüchen seiner Versicherung rechnen. Wenn er dies allerdings nicht arglistig tut, steht ihm der Kausalitätsgegenbeweis offen.

Hier hatte die Versicherungsnehmerin und Fahrerin vorgetragen, dass sie aufgrund eines Unfallschocks weitergefahren sei. Sie hätte beweisen müssen, dass außergewöhnliche äußere und innere Bedingungen vorlagen, die ihre Willensfreiheit im Rahmen einer Bewusstseinsstörung beeinflussen würden. Hiervon konnte sie das Gericht nicht überzeugen.

Insofern war auch nicht auszuschließen, dass sie beim Unfall alkoholisiert gewesen ist. Diese Unklarheiten gehen zu ihren Lasten, da sie beweispflichtig ist.

OLG Hamburg, 14 U 16/26

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Identifizierung anhand eines schlechten Überwachungsfotos

Wenn der Sachverständige keinen Wahrscheinlichkeitsgrad feststellen kann, dass es sich bei dem Betroffenen um den Fahrer handelt, sondern lediglich in Betracht zieht, dass der Betroffene der Fahrer sein könnte, kann der Tatrichter anhand eines grobkörnigen Messfotos die Identität nicht feststellen. Insbesondere muss dann auch im Urteil dargestellt werden, dass das Bild eine Identifizierung zulässt. Und natürlich hätte dargestellt werden müssen, warum den Ausführungen des gerichtlich bestellten Sachverständigen nicht gefolgt wird, da diese Feststellung grundsätzlich als höherwertiger anzusehen sei.

OLG Zweibrücken, 1 ORbs 3 SsRs 42/25

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