Auch in Bayern gibt es Informationen

Das BayObLG folgt dem BVerfG – zumindest teilweise. Zur Überprüfung eines standardisierten Messverfahrens erhält der Verteidiger aufgrund des Grundsatzes eines fairen Verfahrens die Rohmessdaten der Messung, um diese prüfen lassen zu können.

In Bayern gibt es nicht die Bilder der gesamten Messreihe, diese stünden in keinem Zusammenhang mit der Einzelmessung.

BayObLG, 2020 ObOWi 1532/20

Nun ja, warum fordern dann Sachverständige für eine Überprüfung fast immer die gesamte Messreihe an? Und sollte es daher nicht ausreichen, wenn die Relevanz auch dieser Überprüfung dargelegt wird?

Veröffentlicht unter Verkehrsrecht | Schreib einen Kommentar

Datenzeile des Überwachungsfotos

Auf die Verfahrensrüge ist das Urteil aufzuheben, wenn zwar ein Messfoto eingesehen wird, sich aber nicht aus dem Protokoll ergibt, ob die eingeblendeten Daten durch eine Verlesung oder Bekanntgabe nach § 78 I OWiG oder auf andere Art und Weise (z.B. durch Vorhalt an einen Zeugen) ordnungsgemäß in die Hauptverhandlung eingeführt worden sind. Nicht ausreichend ist im Protokoll die bloße Angabe, dass das Datenfeld nach § 77a OWiG zum Gegenstand der Hauptverhandlung gemacht wird, wenn nicht angegeben wird, wie dies geschehen soll. Hier war keine der vorgesehenen Möglichkeiten im Protokoll angekreuzt.

Es handelt sich bei der Verlesung oder Bekanntgabe einer Urkunde um eine wesentliche Förmlichkeit der Hauptverhandlung, der notwendige Nachweis kann nur durch das Protokoll geführt werden. Sind keine Angaben enthalten, gilt die Prozesshandlung als nicht erfolgt.

OLG Düsseldorf, IV-1 RBs 139/20

Veröffentlicht unter Verkehrsrecht | Schreib einen Kommentar

Rote Kennzeichen

Nach § 16 FZV dürfen rote Kennzeichen genutzt werden für Prüfungs-, Probe- oder Überführungsfahrten. Aber eben nur für derartige Fahrten. Schon die Unterbrechung einer solchen Fahrt zu einem anderen Zweck stellt einen Verstoß dar, in diesem Fall wird ein Fahrzeug ohne Zulassung nach § 3 FZV geführt.

KG Berlin, 3 Ws (B) 189/20

Im hier entschiedenen Fall nutzte der Betroffene das Fahrzeug für eine Fahrt zu einem Restaurant, um Essen zu holen. Er gab an, dass diese Fahrt eine Probefahrt gewesen wäre. Dies war nicht zu widerlegen, aber schon die Unterbrechung zur Abholung von Essen reichte aus, um den Verstoß zu begründen.

Veröffentlicht unter Verkehrsrecht | Schreib einen Kommentar

Fahrtenbuchauflage ohne gesonderte Anhörung des Halters als Zeugen

Die Behörde versuchte, den Fahrer einer straßenverkehrsrechtlichen Ordnungswidrigkeit zu ermitteln. Sie schrieb den Halter als Betroffenen an, in diesem Schreiben wurde der Betroffene insoweit auch aufgefordert, eine dritte Person zu benennen, wenn diese die Ordnungswidrigkeit begangen hat. Dies tat der Betroffene (Halter) nicht. Das Bußgeldverfahren wurde eingestellt und eine Fahrtenbuchauflage erlassen, die vor Gericht gehalten hat.

Eine gesonderte Anhörung derselben Person als Halter im Rahmen einer Zeugenbefragung sei nicht notwendig, es komme bei der Fahrtenbuchauflage auch nicht darauf an, ob die Nichtermittelbarkeit des Fahrers auf die Untätigkeit des Halters zurückzuführen sei.

OVG Lüneburg, 12 ME 114/20

Veröffentlicht unter Verkehrsrecht, Verwaltungsrecht | Schreib einen Kommentar

Unleserliche Unterschrift

Eine Revision muss durch einen Rechtsanwalt unterzeichnet werden, wenn sie schriftlich eingelegt wird. Die Unterschrift muss eigenhändig erfolgen und die Wiederabgabe des vollen bürgerlichen Familiennamens darstellen. Die Verwendung eines Anfangsbuchstabens oder einer Paraphe reicht nicht aus. Zwar kann eine Unterschrift undeutlich oder verstümmelt sein, allerdings muss ein die Identität ausreichend kennzeichnender, individueller Schriftzug vorliegen. Er muss einmalig sein und entsprechende charakteristische Merkmale aufweisen und letztendlich eine Unterschrift des Namens darstellen. Ein Mindestmaß an Ähnlichkeit muss bestehen.

Hier wurde die Revision verworfen, da lediglich der vorangestellte Anfangsbuchstabe des Nachnamens zu erkennen war.

OLG Hamburg, 2 rev 55/20

Veröffentlicht unter Strafrecht, Verkehrsrecht | Schreib einen Kommentar