Entziehung der Fahrerlaubnis bei akuter schizophrener Psychose

Wird in einem angeordneten fachärztlichen Gutachten eine schizophrene Psychose mit akuter Symptomatik festgestellt, ist von mangelnder Kraftfahreignung auszugehen, die Fahrerlaubnis kann entzogen werden.

Das Gericht weist auch darauf hin, dass in einem Entziehungsverfahren Sachverhalte nicht berücksichtigt werden dürfen, die Gegenstand eines noch nicht rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahrens sind. Andere Gründe dürfen bei der Entziehung hingegen berücksichtigt werden.

OVG Saarland, 1 B 544/17

 

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ProViDa ist nicht immer standardisiert

Dieses Messverfahren aus einem nachfahrenden Auto heraus wird regelmäßig als standardisiert angesehen, wenn eine vorgesehene Betriebsart verwendet wird. Wird aber eine manuelle Weg-/Zeitberechnung der Videoaufzeichnung durch nachträgliche Auswertung des geeichten Wegstreckenzählers und Auszählung der Einzelbilder vorgenommen, ist diese Auswertungsmöglichkeit nicht als standardisiertes Messverfahren anzusehen. Das Tatgericht darf diese Art der Auswertung nicht nur abstrakt erläutern, sondern muss nachvollziehbar darlegen, welche Fahrzeugpositionen (anhand welcher Fixpunkte) sich zu den jeweiligen Zeitpunkten aus dem Videoband entnehmen lassen, welche Wegstrecke und Fahrzeit sich hieraus ableitet und damit auch, welche konkrete Geschwindigkeit errechnet und vorgeworfen wird.

OLG Hamm, 1 RBs30/17

 

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Feststellungen im Urteil in einem Bußgeldverfahren

Die Beweiswürdigung in den Urteilsgründen muss so gegeben sein, dass dem Rechtsbeschwerdegericht die rechtliche Überprüfung allein hieran möglich ist. Wenn eine Hauptverhandlung in erlaubter Abwesenheit des Betroffenen und auch ohne seinen Verteidiger stattfindet, sind die früheren Erklärungen nach § 74 OWiG in die Hauptverhandlung einzuführen und zu berücksichtigen. Hierzu zählen auch Erklärungen, die der Verteidiger in einem Schriftsatz vorab abgegeben hat, sofern er zu diesem Zeitpunkt Verteidigungsvollmacht hatte. Auch Angaben zu den persönlichen Verhältnissen des Betroffenen und den Auswirkungen eines eventuellen Fahrverbots (um ein Absehen vom Fahrverbot zu erreichen) müssen berücksichtigt werden. Das Urteil muss sich mit diesem Vorbringen auseinandersetzen.

OLG Hamm, 1 RBs 35/17

 

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Keine Tilgungshemmung durch nach dem 30.4.2014 erfolgte Eintragungen

Nach der Änderung des Punktesystems hemmen Neueintragungen die Tilgung alter Punkte nicht mehr, jede neue Eintragung wird individuell getilgt. Vorher hemmte die letzte Eintragung regelmäßig die Tilgung der Voreintragungen. Das Gericht stellt klar, dass Eintragungen im FAER, die nach der Änderung erfolgten, nicht geeignet sind, die Tilgung der alten Eintragungen zu hemmen.

OLG Hamm, 1 RBs 167/16

 

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Beharrlicher Pflichtenverstoß und das Fahrverbot

Nach § 4 Abs.II BKatV wird bei einem sogenannten beharrlichen Pflichtenverstoß ein Fahrverbot von regelmäßig einem Monat angeordnet. Dieses kommt unter anderem in Betracht, wenn gegen den Fahrer wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mindestens 26 km/h eine Geldbuße rechtskräftig festgesetzt wurde und er innerhalb eines Jahres seit Rechtskraft der Entscheidung eine weitere Geschwindigkeitsüberschreitung von mindestens 26 km/h begeht.

In einem von mir bearbeiteten Verfahren wurde gegen den Betroffenen genau aus diesem Grund im Bußgeldbescheid ein Fahrverbot festgesetzt. Bei der Akteneinsicht stellte ich fest, dass die zweite Geschwindigkeitsüberschreitung am 24.06.2017 geschah, die in Bezug genommene Vorentscheidung aber bereits am 08.06.2016 rechtskräftig geworden ist. Die Rechnung ist ganz einfach: Es liegt mehr als ein Jahr zwischen Rechtskraft der ersten Entscheidung und Tattag der zweiten Fahrt, somit liegt der Regelfall von § 4 Abs.II BKatV nicht vor. Ich gehe davon aus, dass das ausgesprochene Fahrverbot aufgehoben wird.

 

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