Fahren ohne Haftpflichtversicherung

Wer ohne eine gültige Haftpflichtversicherung auf öffentlichen Wegen ein Kraftfahrzeug führt, begeht eine Straftat, § 6 PflVG. Gibt dann eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Allerdings muss feststehen, dass eine derartige Versicherung nicht besteht. Selbst wenn der Angeklagte aufgrund rückständiger Prämien von einer Kündigung ausgehen konnte, muss der Zugang der Kündigung der entsprechenden Versicherung nachgewiesen sein. Wenn der Angeklagte dies bestreitet oder sich hierzu nicht erklärt, muss nachgewiesen werden, dass die Kündigung zugegangen ist. Diese Annahme muss auch begründet werden.

KG Berlin, 3 Ss 30/21

Hier hatte der Angeklagte Glück, der Zugang wurde zumindest in der ersten Instanz nicht wirksam nachgewiesen. Die Versicherung hätte zwar das Recht gehabt, den Vertrag zu kündigen (§ 38 VVG), da der Angeklagte die entsprechenden Prämien nicht zahlte, vielleicht hat sie auch eine Kündigung verschickt. Aber der Zugang beim Angeklagten konnte nicht nachgewiesen werden, auch wenn er sich hierzu nicht erklärt hat.

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Ersatzlieferung bei Dieselskandal

Einem Fahrzeug fehlt die Eignung für die gewöhnliche Verwendung in kaufvertraglicher Hinsicht, wenn es mit der bekannten Schummel-Software ausgestattet ist, da die latente Gefahr einer Betriebsuntersagung gegeben ist. Die Lieferung einer mangelfreien Sache nach § 439 I BGB beschränkt sich nicht zwangsläufig auf einen identischen Kaufgegenstand. Es kann auch ein Nachfolgemodell mit gleicher Ausstattung und Motorisierung gefordert werden.

Da im Falle einer Nachlieferung von einem Nachfolgemodell der Verbraucher lediglich die mangelhafte Sache (das Auto) zurückgeben muss und eine Nutzungsentschädigung nicht zu zahlen ist, kann dieser Anspruch zeitlich nicht unbegrenzt gelten. Eine Austauschbarkeit des Kaufgegenstandes ist beim Verbrauchsgüterkauf grundsätzlich nur dann anzunehmen, wenn das Nachlieferungsbegehren innerhalb von 2 Jahren geltend gemacht wird.

BGH, VIII ZR 254/20

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Umsatzsteuerpflicht bei Pflegeleistungen

Nach § 4 Nr. 16 UStG können Leistungen von Pflegeeinrichtungen umsatzsteuerfrei sein, es sind aber gewisse Voraussetzungen zu erfüllen. Werden die Kosten für Pflegeleistungen nicht von Einrichtungen der sozialen Sicherheit übernommen, sondern von der zu pflegenden Person aus eigenen Mitteln selbst getragen, kann nicht von einer Übernahme der Kosten durch soziale Einrichtungen gesprochen werden. Ohne Umsatzsteuer werden diese Zahlungen nur geleistet, wenn in mindestens 25 % der Fälle gesetzliche Träger der Sozialversicherung, der Sozialhilfe, der Eingliederungshilfe oder der Einrichtungen für die Kriegsopferversorgung vergütet werden (Buchstabe m der Vorschrift).

BFH, XI B 27/20

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Erstattungszinsen im finanzgerichtlichen Verfahren

Es ist nicht klärungsbedürftig, dass Prozesszinsen auf erstattete Einkommensteuer zu den Kapitaleinkünften zählen. Sie sind nach § 20 I Nr. 7 EStG zu versteuern. Hier wurde die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision zurückgewiesen.

BFH, VIII B 85/20

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Zu schnell auf dem Weg zum Tierarzt

Der Hund erlitt am Weihnachtsfeiertag einen schweren epileptischen Anfall. Insoweit ging der Halter davon aus, dass das Tier unter starken Schmerzen litt, und fuhr mit ihm sofort in eine Tierklinik. Auf der Autobahn überschritten er die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 29 km/h.

Da sich der Vorfall abends an einem Feiertag ereignete, konnte darauf hingewiesen werden, dass aufgrund geringer Verkehrsdichte niemand gefährdet worden ist.

Das Gericht vertritt weiterhin die Auffassung, dass dieser „tierische Notfall“ keine Geschwindigkeitsüberschreitung rechtfertigt. Allerdings wurde das Bußgeld von 80 € auf 55 € reduziert, es erfolgte keine Eintragung im FAER.

AG St. Ingbert, 26 OWi 62 Js 690/21

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